König Adolf

Die biographischen Daten des Königs aus Idstein sollen hier nur auszugsweise wiedergegeben werden:

Graf Adolf von Nassau wurde vermutlich in Idstein 1256 als Sohn Walrams II. geboren.
Nach dem Tod König Rudolfs von Habsburg (1291) betrieb Erzbischof Siegfried von Köln die Wahl Adolfs zum König. Die feierliche Kür nahm Gerhard von Eppenstein am 5. Mai 1292 vor. Die Krönung erfolgte am 24. Juni in Aachen.

König Adolf sicherte sich seine Macht durch Bestätigung der alten Freiheitsbriefe (für Bern, Solothurn und die Urkantone). Er schloss Bündnisse (mit England) und zog gegen Thüringen ins Feld.
Die Kurfürsten begannen, Adolf von Nassau zu misstrauen. Er wurde ihnen zu mächtig und sie setzten ihn schliesslich kurzerhand ab. An seiner Stelle wählten sie Albrecht zum König. Natürlich dachte Adolf nicht daran, sich dem falschen Urteil zu beugen.
Die Absetzung des Königs musste deshalb mit Waffengewalt geschehen.
Am 2. Juli 1298 kam es bei Göllheim in der Pfalz am Fuße des Donnersbergs zur Entscheidungsschlacht. Das Heer Adolfs wurde besiegt, er selbst erschlagen.

In einem Kommentar zu einem geschichtswissenschaftlichen Proseminar (von Dr. Harald Müller) liest sich das so:
Adolf I. wird zu den sogenannten Grafenkönigen der Zeit nach dem Interregnum gezählt. Seine Wahl wurde maßgeblich vom Kölner Erzbischof initiiert und gilt als Ausdruck kurfürstlicher Sonderinteressen in einem noch nicht wieder gefestigten Reich.
Massive Zusagen an die Wähler, mit denen Adolf den Thron erkaufte, beschränkten seine politische Gestaltungsfähigkeit erheblich.
Als “Zwerg zwischen zwei Riesen” (P. Moraw) stand er am Ende manövrierunfähig zwischen der niederrheinisch-kurkölnischen Position und der süddeutsch-staufisch-habsburgischen.
Das Bestreben, sich aus diesen Abhängigkeiten zu befreien, trug ihm Absetzung und Schlachtentod ein.”

Wir lassen unserer romantischen Ader Lauf und zitieren zur Königswahl aus “Die Mainufer und ihre nähere Umgebung” von Ludwig Braunfels, Nachdruck von 1847:

“Durch diplomatische Schlauheit (der Pöbel pflegt dafür den Ausdruck Kniffe und Pfiffe zu gebrauchen) setzte Adolfs Vetter, der Mainzer Erzbischof Gerhard von Eppenstein, die Wahl durch; er wußte jeden der anderen Kurfürsten zu bereden, ihm die Wahlstimme zu übertragen. Dann beschied er sie in das Predigerkloster und ernannte kraft seiner Vollmachten den fast keinem bekannten Grafen von Nassau zum König – einen Mann, der nur dadurch ins Wahlzimmer hatte Einlaß erlangen können, daß er dem Erzbischof das Meßgewand nachtrug! Und ehe die Kurfürsten zur Besinnung kommen konnten, mußten schon die Priester das Tedeum anstimmen, rief das Volk auf allen Straßen den neuen König aus und huldigte ihm Gerhard mit seinem Vertrauten, dem Kölner Erzbischof. Der Franzose nennt dergleichen “escamoter une élection”; der Deutsche hat leider kein Wort dafür.”

Das Grabmal Adolfs, von Klenze 1826 im Dom zu Speyer ausgeführt, markiert den Endpunkt der Karriere Adolfs.
Aus dem Deutsch des Proseminars (“…trug ihm Absetzung und Schlachtentod ein.”) wird in G. Jordans Schilderung der Schlacht bei Göllheim (“Heimatliche Kulturbilder”, Wiesbaden 1910) ein düsteres Gemälde (Auslassungen sind mit … gekennzeichnet):

“Mittwoch, den 2. Juli des Jahres 1298.
Der verhängnisvolle Tag sollte mit Gott begonnen werden. …Albrecht stieg zu Roß. Die einfache Ritterrüstung eines seiner Vasallen verhüllte in ihm den König; er wollte so, zwar den Seinen bekannt, aber vom Feinde übersehen, der Schlacht beiwohnen….Auch Adolf bestieg sein Roß, aber wie er es dem Reichsoberhaupt an einem so großen Tage geziemend glaubte, in königlicher Rüstung….Zu stolz, sich unter der Rüstung eines Vasallen zu verhüllen und zu hochherzig, um einen Anderen unter seinem Wappenschilde einem gewissen Tod entgegenzujagen, wollte er im Königsschmucke mit dem treubrüchigen Lehnsmann rechten und als König gekleidet, siegen oder fallen.
…Es entbrannte ein harter Kampf, Mann gegen Mann. Adolf …sah anfänglich dem Streite und seinen Wechselfällen mit dem prüfenden Blick des Feldherrn zu. Als aber das Getümmel immer wilder ward und das Geschrei der Kämpfenden immer lauter und das Schwertgeklirr mit stets steigender Heftigkeit zu ihm herüberschallte, schlug sein Herz höher vor Kampfeslust, und seine Brust hob sich in freudigem Mute,..
..…Seiner Kampfeslust nicht länger mehr mächtig, drückte er seinem Hengst die Sporen ungestüm in die Seite…Allein unversehens strauchelte sein Roß…stürzte über und über…so heftig, daß er…besinnungslos liegen blieb…Nach einiger Zeit erwachte Adolf wieder …blutete aus einer Kopfwunde…Barhäuptig…unwiderstehlich…brach er in den Feind.
…Plötzlich erkannte er in dem Gewühle…seinen Gegner Albrecht. Seines Zornes nicht mehr Meister…flog er in mächtigen Sätzen zu ihm hin. “Heute”, rief er ihm donnernd entgegen, “heute wirst du mir nicht wieder entlaufen, allhie sollst du mir Reich und Leben lassen!” “Das steht in Gottes Hand!” erwiderte Albrecht und durch eine geschickte Wendung den gewaltigen Hieb des Königs vermeidend, traf er diesen, bevor er zu einem neuen Schlage ausholen konnte, so heftig ins unbeschützte Gesicht, daß ihm ein Auge herausbrach und ein Blutstrom nachschoß.
In demselben Augenblicke führte auch der Wild- und Rauhgraf dem Könige von der anderen Seite her einen zerschmetternden Hieb aufs unbedeckte Haupt, wovon er zu Tode verwundet und ohnmächtig im Sattel wankte.
Das Schwert entsank kraftlos seiner vom langen Kampfe und vom Todesnahen gelähmten Rechten, und als seine Linke, sich festhaltend, krampfhaft in den Zügel griff und darüber sein Roß sich bäumend emporstieg, zerhieb diesem ein Unbekannter die Vorderfüße, daß es zerstümmelt zusammenbrach und seinen sterbenden Reiter in den Sand warf. Geschwind sprang ein reisiger Knecht aus dem Sattel zur Erde, lüftete dem schon halb bewußtlos am Boden Liegenden den Ringkragen und durchschnitt ihm, nach Scharfrichterart, den Hals, wovon er in wenigen Augenblicken verschied
….
Gegen Sonnenuntergang ritt der Herzog (Albrecht, pf)…mit dem Erzbischof von Mainz über das Schlachtfeld…Die begleitenden Knechte suchten den gefallenen König…Endlich fand man ihn, nackt, wie ein neugeborenes Kind, mit zerfetztem Angesicht, blutübergossen, im Staube gewälzt und von Rosseshufen zertreten; die umherschwärmenden Troßbuben hatten ihm bereits die Rüstung und Kleider abgezogen und den goldenen Harnisch dem Herzog von Kärnthen als Siegesbeute überbracht.”